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Depression
Aus: Nawa Yogini Tantra
Swami Muktananda Saraswati
YOGA Heft Nr. 26
Die Depression ist eine heimtückische und sehr schwächende Krankheit. Auffallend viele Frauen leiden unter einer der vielen Formen von Depression, mehr als an irgendeiner anderen Krankheit. In Krankenhäusern und psychiatrischen Kliniken überall auf der Welt ist die häufigste Diagnose bei Frauen eine Art von depressiver Störung. Untersuchungen ergaben, dass Männer eher Aggressionen zeigen und an Alkoholismus und Suchtgiftmissbrauch leiden, während Frauen eher zu Depressionen neigen.
Die Symptome
Die klinische Bezeichnung ‚Depression’ wird nur für schwere Fälle angewandt, aber tatsächlich erscheint die Depression in vielen Abstufungen und in zahllosen Erscheinungsformen. Banale Anzeichen wie Nörgelei, Übergewicht und frühzeitiges Altern sind nur äußere Zeichen für etwas Schwerwiegenderes als Unzufriedenheit; oft drückt es sich auch in chronischer Reizbarkeit, Nervosität und Müdigkeit bis zu Punkt von Abgespanntheit aus. Depression ist ein Fehlfunktionieren des ganzen Wesens, aber Frauen erkennen das oft nicht (oder wollen es nicht erkennen) - aus Angst davor, für verrückt angesehen zu werden oder davor, dass ihre Probleme als reine Einbildungen abgetan werden.
Um ernst genommen zu werden, produzieren Frauen unbewusst Krankheiten, die sie vorher nicht hatte; sie sind sichtbarer Ausdruck ihrer inneren Spannung. Die Frau kann dann ganz legitim wegen eines der unzähligen Symptome – Kopfweh, Rückenschmerzen, Schwindel, Herzklopfen, zitternde oder schwitzende Hände, Appetitverlust, Rheumatismus, Verstopfung, Schlaflosigkeit, schlechte Träume, schmerzhafte Menstruation – Hilfe suchen. Obwohl die Schmerzen für den, der sie erleidet real sind, finden die Ärzte oft keinen körperlichen Grund, und keine Therapie ist wirkungsvoll. Der viel beschäftigte Arzt diagnostiziert einen ‚Nervenfall’, kann jedoch keine genaue Definition geben und verschreibt vielleicht Beruhigungsmittel, die körperlich und psychisch süchtig machen.
Depressive Frauen sind Opfer übersteigerter Ängste und Sorgen, von Ängstlichkeit, Mangel an Selbstvertrauen und Minderwertigkeitsgefühlen. Ständig sind sie so gereizt, dass selbst triviale Dinge größere Krisen hervorrufen können. Eine Frau in einer solchen Situation hat das Gefühl, dass sie mit dem Leben einfach nicht mehr fertig wird, und sie wird weinerlich gestehen: „Ich kann einfach nicht mehr.“ Das bringt natürlich Schuldgefühle mit sich, denn sie erkennt, dass ihre objektiven Lebensumstände nicht so schwierig sind. Es scheint geradezu lächerlich, sich über einen kleinen Ärger zu beklagen, der aber, wenn er häufig und dauerhaft auftritt, sehr mächtig werden kann. Diese trivialen Dinge, von denen sich diese Frauen unterkriegen lassen, klingen, wenn man sie in Worte kleidet, unbedeutend, ja sogar klein und dumm, wie Frauen selber sagen.
Das charakteristischste Merkmal dieses Gemütszustandes ist Müdigkeit, die in keinem Verhältnis zu den körperlichen Anforderungen steht. Die depressive Frau fühlt sich zu müde, um ihre täglichen Aufgaben zu erledigen und je mehr Pausen sie macht, desto müder wird sie. Sie ist überwältigt von körperlicher, emotionaler und mentaler Erschöpfung und sinkt in ein Gefühl von Leblosigkeit.
Die Ursache
Es kann sein, dass Depression als Nachwirkung von emotionalem Schock oder Verlust, wegen innere biologischer Unausgeglichenheit oder als Nebenerscheinung von Tabletten, die für andere Krankheiten verschrieben wurden, auftritt. Da Körper und Gemüt nicht zu trenn sind, werden die ersten zwei genannten Faktoren meistens in Kombination auftreten, sich gegenseitig erschweren und die dunklen Zeiten verlängern.
Depressionen, die von Tabletten hervorgerufen werden
Lange Zeit war man der Ansicht, dass Depressionen, die von Medikamenten herrühren, nur für Tablettensüchtige zutreffen. Es ist weithin bekannt, dass Depression zum Beispiel eine Nachwirkung con Missbrauch von Amphetamin oder exzessivem Alkoholkonsum ist (Kater und Alkoholikerreue). Oft sind es aber Tabletten, die legal bei gewöhnlichen Krankheiten verschrieben werden, die Grund einer Depression sind. Dazu zählen auch Mittel gegen Arthritis, Blaseninfektion, Ruhr und Verdauungsinfektionen sowie die meisten der bei hohem Blutdruck gegebenen Mittel. Frauen sollten wissen, dass Depression oft ein Nebeneffekt von bestimmten oralen Verhütungsmitteln und Appetitzüglern, die häufig genommen werden, um die Gewichtsabnahme zu beschleunigen, ist. Bestimmte Präparate, die gegen Angstzustände genommen werden, können Depression hervorrufen. Wer solche Tabletten nimmt, muss auf jeden Fall Alkohol vermieden.
Reaktive Depression ist die Bezeichnung für eine anhaltende Störung nach einem emotionalen Schock. Der Kummer nach dem Verlust eines nahe stehenden Menschen kann eine Depression hervorrufen, was normal ist, wenn sie etwas zwei bis drei Monate währt. Hält aber der tiefe Kummer, die Verzweiflung oder Apathie über diesen Zeitraum hinaus an, dann ist es ein Zeichen für eine viel ernstere Situation. Sehr häufig kann uns ein unerwarteter oder plötzlicher Misserfolg über Monate zerbrechen lassen – ein akademischer Misserfolg, der Zusammenbruch eines Geschäftes oder einer Ehe. Menschen, die körperlich schwach sind, spüren, wie sie unter der Last der Hilflosigkeit und Abhängigkeit versinken. Obwohl solche Depressionen als natürlich erachtete werden, ist die Tiefe unserer Misere ein Maßstab für den Grad unseres Verhaftetseins, und unser innerer Auftrieb hängt von den Einsichten ab, die „Vairagya“ (ein Leben ohne Neigung und Abneigung) begünstigen.
Die endogene Depression kommt nicht von äußeren, sondern von inneren Ursachen und hat häufig eine biologische Komponente. Die Depression ist dann Symptom einer Krankheit – z.B. von elektrolytischer Unausgeglichenheit – und kann auch Folge von Grippe oder Hepatitis sein. Besonders Frauen sollten sich dessen bewusst sein, dass Depression häufig mit Blutarmut einhergeht und oft – wenn auch nur kurz – nach der Geburt eines Kindes auftritt. Bestimmte Unausgeglichenheiten im Drüsensystem, besonders im Bereich der Hirnanhangdrüse, der Schilddrüse und der reproduktiven Hormone, machen Frauen für Depressionen anfällig. Eine überaktive Schilddrüse z.B. macht es dir schwer, einzuschlafen, du wirst gewöhnlich sprunghaft sein und zu Zornausbrüchen neigen. Eine schlecht arbeitende Schilddrüse wird dich aller Energien und der emotionalen Lebenskraft berauben, sie lässt dich lethargisch, leicht reizbar und verletzlich erscheinen. Viele Frauen erfahren ‚Prämenstruelle Schwermut’ bis zu zehn Tagen oder einer Woche vor ihrer Periode, als Ergebnis von Unausgeglichenheit in den Hormonen des reproduktiven Zyklus.
Die Anfälligkeit für Depressionen während der Menopause mag zum Teil mit dem unregelmäßigen und rapide wechselnden Hormonspiegel zusammenhängen. Wo Depression eine biologische Komponente hat, sind die Praktiken von Hatha Yoga und Asanas zur Veränderung der Situation extrem wirkungsvoll.
Es ist nicht so einfach
Die Situation ist jedoch nicht ganz so einfach, wie sie nach dieser Analyse erscheinen mag. Der Körper beeinflusst unser Gemüt, aber unser Gemüt beeinflusst die Pranas (Energieströme), die den Körper erhalten. Hormonale Unausgeglichenheiten machen uns für eine Reihe von grauen Tagen’ anfällig, aber länger anhaltende Unzufriedenheit mit dem Leben, Jahre von unerbittlicher Frustration, können in den Körper hineinfiltern und sich als körperliche Störung manifestieren. Depression ist nicht immer ein biologischer Fall, wodurch das Gemüt verformt wird. Emotionale Unterdrückung, Einschränkungen, die ausweglos scheinen und weder akzeptiert noch transformiert werden können, können die Wurzel für chronische mentale Unruhe bilden, die die natürlichen Funktionen von Prana durcheinander bringen und schließlich den Körper zerrütten. Dies hingegen fördert einen anhaltenden negativen Gemütszustand.
Umgeleitete Energie
Es ist eine wissenschaftliche Maxime, dass Energie weder geschaffen noch zerstört werden kann, sie wird nur transformiert oder zurückgeleitet. Den Yogis ist bekannt, dass das ganze Universum vibrierende Energie in verschiedenen Formen ist. Zerstörung und Schöpfung finden statt, wenn die Energie von einer Form in die andere verwandelt wird. Materie und Bewusstsein entstehen z.B. durch Leitwirkung der Energie auf zwei verschiedenen Bahnen.
Energie als Prana ist das, was wir als Umwelt bezeichnen. Für den yogischen Seher ist das menschliche Wesen ein pranischer Strahlungspunkt, in unzähligen psychischen Kanälen durchdringt Prana unseren ganzen Organismus. Die Kirlian Fotografien von menschlichen bioenergetischen Feldern zeigen winzige kleine ‚Flammenzungen’, die durch Ebbe und Flut der pranischen Lebenskraft aus jeder Pore leuchten.
Für den Yogis ist auch das Gemüt Energie. Manomayakosha und Vijnanamayakosha, welche als mentale Hülle des Menschen betrachtet werden, erhalten ihre Informationen und Vitalisierung durch feinstoffliche Energie. Wir sind materialisierte Energie, und wenn diese Energie zurückgezogen wird, stirbt der Körper. Wenn sich jemand, der unter einer Depression leidet, beklagt, dass er sich leblos fühlt, sagt das aus, dass das eigentliche Problem an der unzulänglichen Erzeugen und Lenkung dieser persönlichkeitsformenden Energien liegt. Depression ist nicht so sehr ein Zustand des Nicht-Habens von Energie, als viel mehr eine Art psychischer Verstopfung, die unseren Energiefluss blockiert. Die normalen Energiebahnen sind dann verschmutzt und gestaut, so dass man unfähig ist, die Energie zu benutzen, die gebraucht wird. Abgeschnitten von der gewohnten Umwelt und der Arbeit werden die Energien einer Frau nach inne gelenkt - von ihr selbst – und Gefühle von Leere und Chaos gewinnen Oberhand.
Aus psychologischer Sicht
Viele Psychologen schließen sich der Meinung an, dass unser Gemüt ein dynamisches Energiemodell ist. Für Freud war die motivierende Kraft hinter allen menschlichen Aktivitäten die ’Libido’, die sexuelle Energie. Seine Auffassung war, dass unser Gemüt sich auf zwei wichtigen Ebenen manifestiere: Dem Bewussten und dem Unbewussten. Das Bewusste ist der rationale, objektive Zustand, der unser Wachsein lenkt und die Erfüllung unserer Wünsche und Sehnsüchte reguliert.
Das Unbewusste ist der Sammelplatz angestauter Energie, die ihren Ausdruck in Form von instinktiven Sehnsüchten oder Trieben sucht. Wenn einer dieser Triebe unterdrückt wird, wird die dahinter liegende Energie ins Unbewusste abgeschoben, von wo aus sich zurückfließen und auf andere Weise Ausdruck finden muss. So kann z.b. sexuelle Energie in kreative oder spirituelle Energie verwandelt werden. Wenn jedoch eine andere Form des Ausdrucks nicht vorhanden ist, kann diese Energie zu einer destruktiven Kraft werden. Das Unbewusste beinhaltet auch die Erinnerung aller vergangenen Erfahrungen. Diejenigen, welche besonders schmerzhaft waren, werden tief ins Unbewusste eingeprägt; viel Energie wird gebraucht, um sie außerhalb des Erinnerungsvermögens zu halten. Diese Unterdrückung ist sowohl Umkehrung wie Verschleiß von Energie, weil solche Erfahrungen sich immer in d Form von Ängsten und fixen Ideen bemerkbar machen. Dieser Aufruhr und Wettstreit im Unbewussten ist der Grund für innere Spannung.
Wilhelm Reich zeigte, dass sich die Überprüfung und der Ausgleich der Bewusstseinsenergie im Körper reflektieren und dass ihre Unterdrückung in psychophysischen Knoten Ausdruck finden, die er als Muskelpanzer bezeichnete. Für Yogis sind diese die ‚granthis’. Obwohl sie ursprünglich eine Verteidigungseinrichtung waren, um die sensiblen Orte des Gemüts vor weiteren Verletzungen zu schützen, sind diese Knoten eine Art Hemmnis, die den gesunden Energiefluss blockieren, was ganze Wesenteile von uns abschneidet. Die Empfindungen werden betäubt und es entsteht ein Gefühl der Leere. Freud erachtete die Urenergie des Menschen als primär sexuell und unterdrückte Sexualität als Auslöser von Depressionen und Neurose. Reich fand heraus, dass unsere Vitalität von eiern viel expansiveren Bioenergie herrührt, jedoch die Unfähigkeit, sich dieser Energie in freuvoller Sexualität hinzugeben, Hauptquelle für innere Blockade und Spannung ist. Yogis wissen dass sich die Kundalini Shakti, die die tranzendentale Glückseligkeit bringt, anfänglich in ihrer Groben Form als Sexualenergie zeigt. Obwohl dies primär sexuell und unterdrückte Sexualität als Auslöser von Depressionen und Neurose. Reich fand heraus, dass unsere Vitalität von eiern viel expansiveren Bioenergie herrührt, jedoch die Unfähigkeit, sich dieser Energie in freuvoller Sexualität hinzugeben, Hauptquelle für innere Blockade und Spannung ist. Yogis wissen dass sich die Kundalini Shakti, die die tranzendentale Glückseligkeit bringt, anfänglich in ihrer Groben Form als Sexualenergie zeigt. Obwohl die Yogis diese Energie für spirituelle Zwecke umformen und verfeinern, wissen sie, dass sie aus einem unterdrückten Zustand heraus nicht sublimiert werden kann. Wir müssen fähig sein, Vergnügen in sexuellem Ausdruck zu finden, bevor wir diese enorme Kraft lenken und zurückführen können. Aus diesem Grund sagen die alten Schriften aus, dass man erst nach einem voll gelebten Leben das Zölibat praktizieren soll. Wenn man die Sexualität frühzeitig überwinden will und sie ablehnt, wird sie zu einer schrecklich zerstörerischen Kraft.
Es ist daher nicht überraschend, dass die meisten Frauen, die and Depressionen leiden, auch sexuelle Probleme haben. Was auch immer der Grund für diese Probleme ist, entscheidend ist, dass die Verneinung oder Einschränkung der Sexualität die Energie einer Frau in eine Raster der Unterdrückung lenkt und Energie verbraucht, die sonst anderswo sinnvoll genutzt werden könnte. Wenn die sexuelle Energie richtig und systematisch in andere Ausdruckformen zurückgeleitet wird, steigert sie die Vitalität und Kreativität. Wenn sie jedoch einfach aus dem Bewusstsein verdrängt wird, wenn sie als ungelöster Konflikt bestehe bleibt, verringert sie unsere Kraftreserven. Es ist ein notwendiger Schritt für eine Frau, sich selbst als sexuelle Kreatur zu sehen und das zu leben, erst dann kann sie sich von ihrer Depression lösen.
Sinnentleertheit
Die Depression ist vor allem ein Hinweis darauf, dass ein Sinn im Leben fehlt und wird dürfen nicht den Fehler machen, den Lebenszweck einer Frau nur vom Standpunkt der Sexualität aus zu betrachten. Das Nichtanerkennen der Komplexität des weiblichen Wesens ist ein großer Fehler und hat zur Krise der Frau stark beigetragen.
Es ist sehr aufschlussreich, dass die meisten Frauen, die wegen Depression psychiatrische Hilfe aufsuchen, zwischen 21 und 44 Jahren alt sind; das ist die Blütezeit ihres Lebens. Während dieser Zeit sollte ihre kreative Energie auf dem Höhepunkt sein, ihr Leben sollte vor Freude an der Leistung und am persönlichen Wachstum vibrieren. Mädchen wachsen mit dem Bild vom glücklichen Frau- und Mutterdasein heran und natürlich wird die Mehrheit von ihren heiraten und Kinder kriegen. Von dieser Zeit, wo sie Kinder kriegen und im Haushalt arbeiten, erhoffen sich viele Frauen die Erfüllung ihres Lebenszweckes. Diese Arbeiten werden, wenn nicht als einzigem, so doch wichtigem Beitrag einer Frau zum Leben, als Ausdruck ihrer Kreativität, dargestellt. Gerade zu dieser Zeit, wenn die Lebenskräfte am stärksten sein sollten und ihre Aktivitäten am dankbarsten, richtet die depressive Frau die Energien in Agonie gegen sich selbst. Sie verfängt sich dadurch noch tiefer in die Depression, weil sie ja nach dem gängigen Frauenideal alles hat, was sie will. Aber das Gefühl der Leere und des Mangels ist nicht zu überhören.
Unterdrückte Kreativität
Wegen der gängigen eingeschränkten Definition der Rolle der Frau kommen hier Schwierigkeiten auf. Ihre Rolle wird nur in biologischen Begriffen – Gattin und Mutter - definiert, und für viele Frauen ist das nicht genug. Besonders nachdem die Kinder das Schulalter erreicht haben, erkennen viele Frauen, dass der Haushalt für sie nicht interessant und fordernd genug ist. Niedrige Arbeiten müssen getan, werden, aber sie können nicht als absolut erfüllend angesehen werden. Ein großer Teil von Kreativität kann aufgebraucht werden, um ein Essen zu kochen, aber das wird von einer Familie in fünf Minuten hinuntergeschlungen. Die Erfüllung ist nur von kurzer Dauer und oft wird es nochmals selbstverständlich betrachtet. Ähnlich ist es mit dem Putzen: Sobald es beendet ist, muss es von neuem gemacht werden. ‚Die Hausarbeit ist nie zu Ende!’ Die einzig gebilligten Aktivität außerhalb des Hauses beschränken sich auf vermehrte Hausarbeit, die sie für andere macht – Kuchen backen für Verkaufsstände, in Schulkantinen bedienen, Hallen putzen und für bestimmte Zwecke Räume dekorieren. Obwohl die Frauen in den industrialisierten Ländern nach der Heirat arbeiten können, ist die Mehrheit der Frauen, die das tun, in Fabriken oder im Haushalt tätig. Diese Aktivitäten bieten zwar Gelegenheit, das eigene Lebensumfeld zu erweitern, aber es überrascht nicht, wenn sich Frauen fragen: „Ist das wirklich alles, was mir geboten wird?“
Die Depression der Frau ist eine durch konstante Frustration nach innen gelenkte Kreativität. Diese Energie ist destruktiv, weil sie sich nicht zum Ausdruck bringen kann. Frauen sind so im Konflikt mit sich selbst, weil man sie gelehrt hat, ihr Gemüt und ihre Gefühle im Rahmen der Familie zu schulen und nicht in den Herausforderungen der Außenwelt. Es wird immer betont, dass die Frau all ihre Energie zur Förderung des Ehemanns und der Kinder verwenden soll und nicht für ihre eigene Entwicklung. Dass da ein Mittelweg sein könnte, der es den Frauen ermöglicht, ihr Leben zuhause mit voller Entwicklung ihrer Kreativität zu verbinden, ist außerhalb des gängigen Ideals von Weiblichkeit.
Der ideale Mann hingegen soll ein abenteuerlicher Grenzüberschreiter sein. Für ihn ist es nicht ungewöhnlich, die sozialen Konventionen zu durchbrechen, es wird sogar irgendwie von ihm erwartet, Rebell zu sein und neue Wege zu suchen. Die Pioniere und Helden sind Männer, ganz egal in welchem Bereich. Ein Mann ist nur dann wirklich unkonventionell, wenn er beginnt, die weibliche Seite seiner Natur zu entwickeln oder weibliche Rollen annimmt. Der Mann, der es vorzieht, zuhause zu bleiben und die Kinder zu versorgen, während seine Frau arbeitet, der wird belächelt, besonders von anderen Männern.
Auf der anderen Seite beinhaltet der weibliche Stereotyp keine Erlaubnis für ‚Radikalität’. Die Frau, die von dem abweicht, was konventionell als weiblich angesehen wird und sich dem zuwendet, was immer noch als männlich gilt, trifft auf dieselbe Feindseligkeit wie ein Mann, der den liebgewordenen Glaubensgrundsatz der Gesellschaft über den Haufen wirft. Eine Frau, die mit ihrer Rolle als Frau und Mutter nicht zufrieden ist, wird dahin gebracht, dass sie glaubt, die Schuld liege bei ihr und nicht am allgemeingültigen Ideal.
Wenn eine Frau das weibliche Ideal zurückweist, stößt sie auf Schwierigkeiten, aber wenn sie total nach diesem Ideal lebt, ist sie vor Schwierigkitten auch nicht sicher, denn die Frauen, die im mittleren Alter Depressiv werden, sind gewöhnlich die, die die traditionelle Rolle weitgehend akzeptiert haben. Während sie sich total hingegeben haben, um perfekte Frauen und Mütter zu sein, erreich sie ein Stadium, wo die Rolle nicht länger gebraucht wird. Die Kinder wachsen heran, das ist unvermeidlich, und sie werden unabhängig. Die Beziehung zum Ehepartner ist oft dürftig geworden, nachdem diese Beziehung zugunsten der Kinder jahrelang zurückstehen musste. Nachdem diese Frauen ihr ganzes Leben in den Dienst ihrer Familie gestellt haben, fühlen sie sich jetzt überflüssig.
Da Frauen so konditioniert worden sind, dass sie diese Konflikte beherrschen, statt sie aggressiv auszutragen, blockieren sie die nicht ausgedrückte Energie und versinken in Depression. Depression kann zu Selbstmord führen, und in der ganzen industrialisierten Welt werden die Selbstmordversuche vorwiegend von Frauen verübt (mehr als zwei Drittel). Glücklicherweise sind die meisten nicht erfolgreich. In Wirklichkeit wollen die meisten nicht sterben. Öfter wollen diese Frauen nach Hilfe schreien, sie wollen, dass jemand ihre Notlage erkennt.
Die Yogatherapie
In der tantrischen Kosmologie gibt es sieben ‚talas’, sieben niedere Welten, welche Symbole für den depressiven Zustand des Bewusstseins sind. Yoga ist das Mittel, uns von diesem gelebten Tod wieder zu erwecken und die sieben ‚lokas’, die sieben Himmel, welche fortgeschrittene Zustände unseres höheren Bewusstseins sind, zu erreichen. Diese Potentiale liegen in jedem von uns. Durch Yoga können wir nicht nur Anspannung lösen und Energien freilegen, sondern er ist auch Mittel und Zweck im Streben nach höherem Bewusstsein.
Der erste Schritt zur Auflösung einer Depression ist getan, wenn wir die Mutlosigkeit überschritten und Energie in Fluss gebracht haben. Dafür sind die Praktiken von Hatha Yoga sehr hilfreich.
Die Shatkarmas
Kunjal Kriya wirkt wie eine milde Schocktherapie, indem ein Energiestoß in den Kopf gelenkt wird, der den ganz en Metabolismus belebt. Lustlosigkeit, Trägheit und ein schwere Kopf werden durch Jala Neti beseitigt, was im Falle einer ernsthaften Depression mit kaltem Wasser (Raumtemperatur) praktiziert werden sollte. Herzschwere reflektiert sich oft in einem verstärkten Gefühl von Schwere im Körper, und das wird durch Shankprakshalana behandelt. Diese drei Kriyas beseitigen tamas, die körperliche Trägheit, lösen Energieblockaden und bringen ein willkommenes Gefühl von Leichtigkeit in Körper und Gemüt.
Asanas
Die Kriyas werden durch Asanas ergänzt, um hormonale Störungen zu beseitigen, Körper und Gemüt wieder zu verbinden und die psychophysiolgische Panzerung aufzubrechen, damit die Energie wieder frei fließen kann. So ein Programm würde dynamische Asanas wie Naukasanchalana (Rudern), Chakki Chalana (Mahlen) und Surya Namaskara, gefolgt von einer Sequenz von Asanas, die die Haupthormondrüsen und Chakren beeinflussen, beinhalten. Rück- und vorwärtsbeugende Asanas werden besonders betont. Man sollte Sarvangasana (Schulterstand) praktizieren und wenn nicht den Kopfstand selbst, so doch eine de einfacheren Formen (Pranamasana, Bhumi Pada Mastakasana, die erste Stufe von Sirshasana). Einige Frauen mit Depressionen fühlen sich am Morgen schlechter und gegen Abend besser, und gerade diese werden von einem vollen Programm von Kriyas und Asanas am Morgen profitieren. Frauen, die sich am Morgen besser fühlen und gegen Abend zu schlechter, sollten die Kriyas am Morgen machen, aber ihre Asanas am späten Nachmittag oder frühen Abend.
(In unserem Buch ‚Asana Pranayama Mudra Bandha’ wird man genau in diese Übungen eingewiesen, wenn man nicht eine Yoga-Schule in der Nähe hat.)
Pranayama und Bandhas verhelfen dazu, Gemütsschwankungen auszubalancieren und sollten nach den Asanas geübt werden oder unabhängig von diesen. Kapalbhati, Bhastrika und Nadi Shodana Pranayama, die Wechselatmung, werden hier empfohlen. Moola Bandha sollte ausgiebig geübt werden, in der einfachen Form (schnelle Kontraktion des Beckenbereiches) und synchron mit dem Atem. Nachdem man die Übung gut kann, sollte man bis zu 12 Runden Maha Bandha (Moola, Uddiyana und Jalandhara Bandha zusammen) morgens und abends machen. Besonders die Bandhas lösen Energieblockaden auf und fördern die richtige Verteilung von Prana durch die Chakren.
Meditation
Wenn wir wirklich deprimiert sind, - nicht wenn wir nur traurig sind oder uns unwohl fühlen -, dann ist das für die Meditation nicht förderlich. Am Anfang sind die Versuche zu meditieren, Versuche, zu fliehen und sich den Schwierigkeiten nicht zu stellen. Wenn das äußere Leben ziellos und konfus ist, verstellt das unsere Versuche, nach innen zu schauen. Da gibt es keine Klarheit und wir werden eher schläfrig oder wir lassen uns von frustrierenden Gedankengängen einfangen. Auf diese Weise vergeuden wir viel Zeit und erreich nichts Konstruktives.
Jedoch sobald Asanas, Kriyas und Bandhas Erfolg haben, hebt sich unsere Stimmung und Mut und Klarheit kommen zum Vorschein. Schließlich wird Meditation lebensnotwendig, um tief sitzende Samskaras zu beiseitigen, die die Wurzel unserer negativen Reaktionsmuster sind und um ein Begreifen unserer wahren inneren Natur zu entwickeln. Das wird dann unsere innerer Führung und Inspiration sein, um ein volles und befriedigendes Leben zu führen.
Meditation ist auch Psychotherapie, die uns Zeiten der Ruhe und der Klarheit gibt, wodurch wir fähig werden, einen realistischen Blick auf das Leben zu werfen. Wir sehen Situationen in einem neuen Licht, was uns hilft, unser Leben zu verändern. Wir erkennen die Elemente klarer, die uns Zerrissenheit bringen und arbeiten neue Wege aus, um mit unseren Begrenzungen und Bestrebungen zurande zu kommen.
Mit neuer Innenschau und erweitertem Bewusstsein erhält unser Leben einen neuen Sinn. Eine sehr direkte Methode, bedrückende mentale Spannung loszulassen, ist Antar Mouna, die Übung der inneren Stille. Zuerst verstärkt diese Übung den Widerstand gegen äußere Störungen, dann wird die Wahrnehmung stufenweise nach innen gezogen und unbewusste Gedanken und angestaute Gefühle dringen langsam in die bewusste Wahrnehmung. In einem meditativen Zustand werden wir uns der Gedanken, Gefühle, Wünsche und Frustrationen bewusst, die wir verleugnet oder jahrelang versteckt haben. Diese werden allmählich vom Wachbewusstsein akzeptiert und die Energie, die gebraucht wurde, um sie zu begraben, ist jetzt für bessere Zwecke frei.
Vielleicht wird ein Zustand erreicht, wo Gedanken und Emotionen aus tieferen Bewusstseinschichten die Macht über uns verlieren, und in diesem Stadium kann der Gedankenstrom gänzlich gestoppt werden; der Zustand der Gedankenlosigkeit ist erreicht. Das führt spontan in die Meditation, hin zum innersten Wesenskern, dem wahren Selbst. Durch diese Berührung begreifen wir unsere Existenz und unser Leben erhält Kraft und Sinn.
Yogische Routine
Yogis leben nach einem geplanten Rhythmus von schlafen essen und meditieren, der die natürlichen Energiezyklen des Körpers und des Gemüts optimal berücksichtigt. Diesem Rhythmus tragen wir durch Yogaübungen Rechnung, so dass eine Depression schneller besiegt wird.
Schlaf
Eine depressive Frau spürt, dass sie keine Energie hat und dass sie zahlreiche Pausen machen muss, um das bisschen Energie, das sie hat, zu behalten. In vielen Fällen versuchen Frauen durch Schlafen ihre Probleme zu erleichtern oder zu vergessen. Sie fangen an, mehr und mehr zu schlafen, nicht aus körperlicher Notwendigkeit heraus, sondern als Flucht vor der grauen Realität. Acht Stunden Schlaf sind für den Durchschnittsmenschen angemessen, sechs Stunden sind optimal, und wir brauchen weniger, sobald wir die zweite Lebenshälfte überschritten haben. Zuviel Schlaf ist erschöpfend, verlangsamt die Körperabläufe und lässt uns abstumpfen. Zuviel Schlaf führt zu einem Anhäufen von tamas (Trägheit) mit den einhergehenden negativen Gefühlen. In Fällen von Depression wird nicht mehr, sondern weniger Schlaf benötigt.
Versuche dem häufeigen Schlafen zu widerstehen und schlafe nicht währende des Tages. Wenn du dich schläfrig fühlst, nimm eine kalte Dusche, danach wirst du dich energetisiert und positiver fühlen. Ein Höchstmaß von sechs bis acht Stunden Schlaf werden Körper und Gemüt erfrischen, du wirst mehr Zeit für dein Sadhana und andere Aktivitäten haben.
„Früh zu Bett und früh auf machen eine Frau gesund, reich und weise!“ Dieser einfache Rat ist im yogischen Leben ein wichtiger Grundsatz. Wir genießen unseren besten Schlaf vor Mitternacht. Wenn wir als früh zu Bett gehen, nutzen wir diese Stunden besser. Das ermöglicht uns, zeitgerecht aufzuwachen, um brahmamuhurta, die Periode der erhöhten Bewusstheit (wörtlich: Brahmanenstunde) zu nutzen, die zwischen vier und sechs Uhr morgens liegt. Wenn man zu dieser Zeit wach ist, hat man den Vorteil hormoneller Veränderungen, die ungefähr um vier Uhr stattfinden. Das ist die Zeit, in de die Kräfte im Universum in sattvischer Harmonie sind, und das hilft uns, leichter mit unserem inneren Wesenskern und den Kräften des Universums in Einklang zu kommen.
Wenn du es dir zur Gewohnheit machst, früh am Morgen aufzustehen, wirst du spüren, dass das einen großen Einfluss auf dein Leben hat. Die Bedingung ist jedoch, dass du regelmäßig bist. Zuerst wird es viel Mühe und Planung brauchen, aber später wird es dir ein Vergnügen sein, früh aufzustehen. Beginne mit einem Bad oder einer Dusche, vorzugsweise mit kaltem Wasser. Dann mache eine leichte körperliche Übung, um den Schlaf abzuschütteln. Surya Namaskar ist ideal, oder einige wenige Asanas. Wenn du das nicht schaffst, beginne mit deiner Hausarbeit. Dann setz dich zur Meditation hin und du wirst sehen, dass dein Gemüt ruhiger ist, introvertierter. Das ist der Grund, warum die Yogis diese Stunden für spirituelle Übungen besonders empfehlen.
Von vielen berühmten Denkern, Schriftstellern, Maltern und anderen kreativen Menschen wissen wir, dass sie diese Zeit für ihre produktivste halten, weil Ideen und Inspiration am besten fließen. Wenn du ein bisschen Talent entwickeln willst oder nach einem kreativen Ausdruck suchst, dann ist das die richtige Zeit, um zu üben. Wenn du solche Ambitionen aber nicht hast, dann beginne stattdessen mit deinen täglichen Pflichten, wodurch du sicher inspiriert wirst, diese Zeit für dich zu nutzen. Du kannst durch regelmäßiges Üben alle deine Talente und Fähigkeiten wecken, kannst diese auch als Sadhana für sich betrachten. In jedem Fall ist es eine wertvolle Therapie, durch die du mehr Energie und Optimismus gewinnst, um die Depression zu überwinden.
Ernährung
Häufig wird ein Problem durch übermäßiges Essen kompensiert. Es kommt zwar auch vor, dass depressive Menschen appetitlos sind, aber depressive Frauen essen meistens mehr, vor allem Süßigkeiten. Zuviel Süßes setzt nicht nur Gewicht an und bringt den Metabolismus durcheinander, es verstärkt auch Trägheit und Niedergeschlagenheit. Die innere Leere wirst du niemals mit Essen füllen können, stattdessen wirst du deine Energien mit unnützen Schuldgefühlen vergeuden. Iss regelmäßig und nicht zwischen den Mahlzeiten und vermeide allzu viele Süßigkeiten.
Karma Yoga
Durch Anstrengung geht keine Energie verloren. Sinnvolles Tun erzeugt eher mehr Energie und Kraft.. Um die Depression zu bekämpfen, müssen wir das Grübeln sein lassen und stattdessen etwas finden, um uns zu aktivieren. So wie wir verkümmerte Muskeln nach einer langen Krankheit wieder trainieren, müssen wir die Energiebahnen, die von der Depression verstopft sind, wieder öffnen. Die Energie muss in irgendeiner Weise durch Aktivität wieder nach außen gelenkt werden, um den Kreislauf der Energieblockierung aufzubrechen. In Yoga ist das als sattvische Energie bekannt, die erst zum Vorschein kommt, wenn die Untätigkeit (tamoguna) durch leidenschaftliche Aktivität (rajaguna) überwunden wird. Um die Depression zu überwinden, muss durch Bewegung und kreative Aktivität wieder Energie in Fluss kommen. Zunächst scheint das schwieriger, als es klingt, beginne deshalb mit einem leicht erreichbaren Ziel und arbeite in kleinen Schritten auf dieses Ziel hin. So kannst du zum Beispiel fünf Minuten täglich Yoga üben – vielleicht nur eine Asana. Nach einigen Tagen machst du eine weitere dazu und du verlängerst deine Übungszeit. Wenn du dir kleine Ziele setzt, wirst du weniger entmutigt und jeder Erfolg, auch wenn er noch so klein ist, macht dich stärker. Jeder Schritt bringt dich deinem Ziel näher. Jedes erreichte Ziel trägt zur Zufriedenheit und einem Gefühl des Wohlbefindens bei. Um Entmutigungen auszuschließen, müssen wir Vergangenes loslassen und uns vor Erwartungen an die Zukunft hüten. Auch ganz weltliche Aktivitäten werden bedeutungsvoller, wenn wir unsere volle Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt richten – gerade hier, gerade jetzt. Was auch immer du machst, - essen, den Boden wischen, das Kind füttern, - versuche an nichts anderes zu denken. Besonders nicht daran, was du nachher tun wirst. Entspanne dich so in der Tätigkeit, als ob da nichts anderes in der Welt existieren würde, was du lieber tätest, und du wirst Vergnügen an der Sache finden und die Erkenntnis gewinne, dass jede achtsame Aktivität ein kreativer Ausdruck deiner individuellen Existenz ist.
Nimm Hilfe in Anspruch
Wenn eine Frau depressiv ist, wird sie wahrscheinlich behaupten, dass sie keine Zeit für zusätzliche Aktivitäten, besonders Yoga Sadhana hat. Wenn man in Apathie versunken ist, hat man keine Motivation, irgendetwas zu tun. Umso schwieriger ist es Willenskraft zu entwickeln, weil die Energiereserven nicht vorhanden sind. In einem solchen Moment können wir die Hilfe von einem uns Nahestehendem in Anspruch nehmen, um einen neuen Impuls zu kriegen. Zögere nicht, ein Familienmitglied oder eine Freundin um Hilfe zu bitten, z.B. dich morgens anzurufen und an dein Sadhana zu erinnern. Du wirst selbst am besten wissen, wie schwankend die Gefühle sein können. Gelegentlich wirst du dich über das konstante Anspornen ärger, vielleicht wirst du sogar die Geduld mit denen verlieren, die dir helfen wollen. Wenn deine Freunde klug sind, werden sie dich trotzdem ermutigen, deine Arbeit zu beginnen und wenn du unbeirrt fortfährst, wirst du bald genügend Energie haben, um aus eigener Kraft weiterzugehen. Ideal ist es, einige Zeit in einem Yoga-Ashram zu verbringen, für tiefe Depressionen ist es sogar notwendig. Das Ashramleben gibt dir automatisch einen neuen Rhythmus mit frühem Aufstehen, richtiger Ernährung und Karma Yoga. Du wechselst deine Umgebung, die dich niedergedrückt hat und hast die Chance, neue Perspektiven durch das Lernen von Asanas, Entspannung und Meditation zu finden.
Aus neuer Sicht
Eine problematische Begleiterscheinung der Depression ist das Gefühl der Hilflosigkeit, weil wir einfach erdulden müssen und aus eigenem Antrieb unsere Stimmung und unsere Gefühle nicht überwinden können. Yoga ist ein großes Geschenk, denn wir können uns nun selbst helfen und brauchen nicht länger passives Opfer zu sein. Wenn du zu Depressionen neigst, musst du wissen, dass deine Stimmung gelegentlich sinkt. Wenn du aber Yoga in dein Leben einbeziehst, wirst du fähig sein, konkrete Schritte zu unternehmen, um dunkle Tage aufzufangen und schneller wieder ein inneres Gleichgewicht herzustellen. Regelmäßige Yogaübung wird dich innerlich stabilisieren und du wirst weniger anfällig sein für emotionale Verstimmung. Aus diesem Erlebnis heraus kannst du eine konstruktive Lebensphilosophie entwickeln.
Depression wird nur dann überwunden, wenn wir unsere emotionale Dynamik und die Konditionierungen, die unsere Reaktionen auf unsere Umwelt hervorrufen, begreifen und durchbrechen. Yoga gibt uns eine Basis, Gedanken und Handlungen zu beobachten, ohne schmerzvoll in sie verstrickt zu sein. Sakshi bhava, die Haltung der unbefangenen Wahrnehmung von allem, was wir tun, ist nicht schmerzvolle Abwendung von Depression. Es ist vielmehr ein Zustand, wo es keine Beurteilung, keine emotionale Identifizierung mit unseren Gedanken und Gefühlen gibt, es ist die innerlich freie Erkenntnis. Eine solche Einstellung wirkt als innerer Halt während emotionaler Stürme und führt zu Selbsterkenntnis, Frieden und Harmonie. Anstatt uns mit unseren Schwächen zu identifizieren, lernen wir, aus Stärke heraus zu agieren, aus unserem Wesenkern heraus.
Frauen müssen sich selbst analysieren und unerschrocken ihre größten Bedürfnisse, Sehnsüchte und Talente erkennen, egal, ob sie in traditionellem Sinn weiblich sind oder nicht. Sie müssen sich ihrer konditionierten Einstellungen bewusst werden und erkennen, wie diese auf sie wirken und ihrem Glück und ihrer Effektivität in der Welt Grenzen setzen. Die Vorstellung, nach einem von außen aufgedrückten Standard zu leben, muss durch ein sich selbst regulierendes Prinzip abgelöst werden, eines das auf Selbsterkenntnis basiert. Yoga hilft uns, diese wesentliche Kenntnis von uns selbst zu erreichen und die zu integrieren in ein harmonisches sich selbst annehmen. Die Gemütsverfassung wird durch Yoga positiv verändert und neue Willenskraft liegt bereit. Diese wiedererwachte Lebenskraft legt Energien frei, um die höchsten Visionen realisieren zu können.
Literaturempfehlung
Weiterführende Literatur zum Thema finden Sie unter: www.yoga-anandaverlag.de

