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Der zwanzig Jahres Zyklus

Swami Satyananda Saraswati spricht über sein in Zyklen verlaufendes Leben.
England 1983
NEWSLETTER Nr. 4

Mein Leben verläuft in einem Zwanzig-Jahres-Zyklus. 1923 bin ich geboren und war bis 1943 ein Suchender; 1943 kam ich zu meinem Guru und war bis 1963 Schüler und Jünger; 1963 begann ich mit der Bihar School of Yoga und war  bis 1983 Organisator und Lehrer; und seit 1983 bin ich wieder ein Wanderer. (Von 1983 bis 2003 lebt und spricht Paramahamsa über den entscheidenden Weg für das 21. Jahrhundert - Bhakti Yoga, den Yogaweg der Liebe und Hingabe.)

Ehe ich zu Swami Sivananda kam, habe ich viele Gurus getroffen, aber als ich ihn sah, bin ich dem Licht begegnet. Ich bin sehr stolz, dass ich bis 1956 mit ihm leben durfte. Es war eine fantastische Zeit. Ich habe viel über Christus gelesen, aber niemals konnte ich glauben, dass es einen Menschen gibt, der so leben kann. Mitleid, Liebe, Anerkennung und Rücksicht anderen gegenüber, diese Eigenschaften sind schwer zu finden - aber in Swami Sivananda entdeckte ich sie. Er hatte keine spezielle Zuneigung, und doch liebte er jeden. Er war großherzig, aber sehr diszipliniert, und sein Leben war eine immerwährende Hingabe an das Göttliche. Jeder, der zu ihm kam, um etwas zu erhalten, hat empfangen.

Swami Sivananda war ein mächtiger Mann. Viele kamen zu ihm, um von Krankheiten geheilt zu werden. Er heilte Tausende, aber niemals hat er darüber gesprochen. Als er im Sterben lag, fragten ihn seine Jünger: "Was ist deine Botschaft für die Menschheit?" Er sprach nicht, sondern nahm einen Stift und schrieb seine letzte Botschaft an die Menschheit:

Gott betet mit euch. Alles andere ist unwichtig.

Es ist mir nicht möglich, mit wenigen Sätzen alles über ihn zu erzählen, und überhaupt - ich mag auch nicht viel über meinen Guru sprechen. Gut, ich liebe ihn - das ist meine eigene Angelegenheit. Jeder wird seinen eigenen Guru finden und seine eigenen Gefühle für ihn oder sie haben. Am Morgen des 19. März 1956 rief er mich zu sich und gab mir den Auftrag, in die Welt zu ziehen. Damals sagte er zu mir: "1923 bist du geboren; 1943 kamst du zu mir; 1963 wirst du beginnen, selbständig zu arbeiten; 1983 wird deine institutionelle Arbeit beendet sein, und danach wirst du auf kosmischer Ebene arbeiten." Nun, ich arbeite nach seinen Anweisungen.

Nachdem Swami Sivananda seinen Körper verlassen hatte, habe ich oftmals ganz deutlich seine Anwesenheit gespürt und seine Stimme klar vernommen, aber selbst heute weiß ich nicht, wie ich von mir aus Kontakt zu ihm aufnehmen kann. Wenn dieses Erlebnis eintritt, ist es sehr klar, angenehm, ruhig und friedlich. Es tritt immer dann ein, wenn ich alles, was ich geschaffen habe, über Bord schmeißen möchte, immer, wenn ich etwas beenden möchte. Ich mag keine Ashrams. Im Grunde genommen habe ich immer geglaubt, dass ein Swami ein anderes Leben führen sollte, aber ich bin nicht in der Lage, es zu leben. Ich muss weitermachen, ob ich es nun mag oder nicht.

Das letzte Mal spürte ich seine Nähe im November 1982; ich war in Puerto Rico und wegen des Wetters etwas niedergeschlagen. Er sagte zu mir: "Du bist nun frei von deinem Ashramleben, frei von Organisationen und Institutionen" und damit entließ er mich.

Ungefähr zehn Swamis aus Amerika, Kolumbien und Europa waren zu der Zeit mit mir, auch Swami Niranjan. Ich rief ihn zu mir und sagte ihm: "Nun ist mein Plan klar. Ich werde nicht mehr in der Verwaltung der Bihar School of Yoga oder irgendeiner anderen Institution arbeiten. Sage alle deine Reisen in Amerika ab und kehre so bald wie möglich nach Monghyr zurück."
   

Am 19. Januar 1983 legte ich die Präsidentschaft der Bihar School of Yoga nieder. Ich habe Swami Niranjanananda Saraswati als meinen Nachfolger ausgewählt. Viele von euch kennen ihn.

Ich habe ihn erwählt, als er im Alter von vier Jahren zu mir kam und habe ihn ausgebildet, ohne ihm zu sagen, dass er mein Nachfolger werden würde. Nun wird er für den gesamten Komplex verantwortlich sein. Ob er es gut bewältigt oder nicht, ist seine Sache und nicht mehr meine. Ich gehöre zu Yoga und nicht zur Bihar School of Yoga. Eine Institution ist ein Weg, nicht das Ziel.

Am Anfang ist die Bewegung der Weg und die Philosophie das Ziel, später jedoch wird die Institution das Ziel und die Philosophie der Weg. Das passiert mit allen Religionen, allen Institutionen. Wir leben nur, um die Organisation oder die Institution am Leben zu erhalten, und das will ich nicht. Nun, mit diesem Rückzug ziehe ich mich von der Institution zurück, die ich geschaffen habe, und für die ich ernsthaft gearbeitet habe. Das bedeutet, dass ich nichts mit der Institution als Institution zu tun haben werde. Nicht, dass ich etwas dagegen habe oder dass da irgendwelche Schwierigkeiten waren, aber von jetzt an will ich mich nicht mehr auf irgendeine Institution beschränken. Ein Sannyasin sollte über Institutionen und Religionen stehen. Für ihn sind alle spirituellen Institutionen ein Teil seiner Seele und jede Religion gleichermaßen wertvoll, wichtig und bedeutungsvoll.

Während der kommenden zwanzig Jahre werde ich für das Wohl der Menschheit arbeiten, denn persönlich betrachte ich selbst Yoga eher als einen Weg und nicht als das Ziel. Immer wieder habe ich beobachtet, wie Menschen in dem Moment das Ziel vergessen, wenn sie Erfolg, Ansehen und Macht erlangen. Anstatt für die Menschheit zu arbeiten, arbeiten sie für sich selbst.

Yoga ist nur dann hilfreich, wenn Menschen diesen Weg kennen lernen und gehen möchten. Wir sollten eine bestimmte Philosophie oder Wissenschaft nur dann propagieren, wenn Menschen davon einen Nutzen haben. Wenn wir jedoch vergessen, dass das Wohl der Menschheit im Allgemeinen das Ziel ist und nicht das Lehren an sich, dann haben wir einen großen Fehler gemacht.

Wenn ihr ernsthaft darüber nachdenkt, werdet ihr erkennen, dass Institutionen stagnierend und träge werden. Sie werden sehr mächtig, weil blind Seite für Seite hinzugefügt wird, Dogmen für das Überleben der Institution aufgestellt und politische Parteien ihre Verbündeten werden. Institutionen im Allgemeinen folgen diesem Muster, und Menschen, die darin eingefangen sind, sind nicht mehr frei.

Ich bin also nun frei. Ich erkenne, dass Yoga der Menschheit sehr viel mehr zu geben hat, als er bisher geben konnte. Yoga zu lehren ist wichtig, aber so wie er häufig unterrichtet wurde, hat man ihn eingeschränkt und er war für viele nicht annehmbar.

Ich kann euch versichern, dass ich bis zum 19. Januar 1983 für die Bihar School of Yoga gearbeitet habe und jetzt nicht mehr. Jetzt arbeite ich für alle und werde jedem noch mehr erzählen, als bisher. Im November 1983 werde ich den Ashram verlassen und die nächsten zwanzig Jahre als Wanderer verbringen, ihr mögt sagen, als 'königlicher Wanderer'. Acht Jahre habe ich als Bettler verbracht, damals war ich kein 'königlicher Wanderer’.

Ich werde einige Monate in jedem Land verbringen, mich von einem Platz zum anderen bewegen, bei kleinen Gruppen von Menschen sein; ich gebrauche das Wort 'klein', denn ich mag keine großen Massen. Ich brauche kein Fest für meine Augen, denn ich habe erkannt, dass es nur wenige Menschen sind, die das Rückgrat einer wahren Zivilisation werden; und ich glaube, dass die Massen von Zehntausenden, die ihr zusammenbringt, sich im Laufe der Zeit auflösen. Die historische Vergangenheit ist Zeuge davon. Deshalb möchte ich nur zu kleinen Gruppen gehen und zu ihnen über Kriya Yoga, Raja Yoga, Bhakti Yoga, Yoga Nidra, Meditation und Japa sprechen oder was immer sie möchten, und so werde ich die nächsten zwanzig Jahre meines Lebens verbringen."
(siehe. www.yogavision.net)

Nun sind auch diese zwanzig Jahre um. Seit 1988 hat Swami Satyananda Indien nicht mehr verlassen. Er ging in die Einsamkeit und führte über Jahre hinweg an einem durch Vorsehung ausgewählten Ort das Panch Agni Sadhana (Sadhana der fünf Feuer) aus. Einmal im Jahr jedoch durften Menschen ihn sehen; und sie kamen in Massen, jedes Jahr wurden es mehr. Die letzten Jahre dieses Zyklus' wurden schon fast zu einem festen Ritual - die Einladung zu dem großen Yagna Sita Kalyanam mit der Verehrung von Devi, der göttlichen Mutter. Seitdem spricht er nicht mehr über Kundalini, Hatha oder Raja Yoga. Er spricht nur noch über die große Kraft von Bhakti, die Kraft, die wir so sehr ignoriert, in Ketten gelegt, missachtet haben. Er spricht über die Bedeutung von Kirtan, dem Singen von Gottes Namen, von Dienen und Mitgefühl. Jahrzehntelang hat er den Begriff Gott nicht einmal erwähnt. Seine Sprache war klar und einfach, jeder konnte ihn verstehen. Nun wagte er den nächsten Schritt. Er bezeichnet sich als Hanuman, als Diener Gottes und dient der Göttin, in dem er den Menschen dient, den Menschen in seiner direkten Umgebung.

Die Menschen, die zu ihm reisen, verstehen auch heute seine Sprache. Sie gehen nach Hause, sie spüren die eigene innere Verwandlung und tragen die Botschaft weiter.

Mit 2003 hat ein neuer Zyklus begonnen und wieder scheint sich etwas neues anzubahnen. Die neuesten Nachrichten lassen verlauten, dass sich die Tore in Rikhia wieder öffnen. Menschen können einige Tage in seiner Nähe verbringen, nicht um Krankheiten zu heilen. Die Betonung liegt auf SADHANA.

Literaturempfehlung

Weiterführende Literatur zum Thema finden Sie unter: www.yoga-anandaverlag.de