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Warum ist Karma Yoga notwendig?
Swami Satyananda Saraswati
(aus Teachings I)
Yoga Heft Nr. 49
Vor vielen Jahren, als ich mit meinem Guru im Sivanandashram in Rishikesh lebte, war ich sicher, dass ich in Stille und Versenkung leben würde, wenn ich den Ashram einst verlasse. Aber mein Auftrag war ein anderer, und ich begann 1964 mit dem Ashram in Monghyr. Es kamen viele Menschen, um bei mir zu bleiben, trotzdem blieben sie nie länger, als drei oder vier Monate. Es gab keine Arbeit für sie im Ashram! Sie lernten und übten eine Menge Asanas, Pranayama, Mantra, Meditation usw., aber dadurch konnten sie keine innere Stabilität erlangen, denn ihr Gemüt wurde dadurch nicht gereinigt.
Nach und nach schufen wir mehr Arbeit im Ashram - Gartenarbeit, Druckerei, Schreibarbeit, Küchenarbeit, wir begannen, eine Yoga-Zeitung zu verlegen, und seitdem kommen wöchentlich mehr und mehr Menschen. Sie bleiben oft viele Jahre, fünf, zehn, zwölf Jahre und mehr und nehmen viele Schwierigkeiten auf sich, die das Ashramleben mit sich bringt.
Sonntags lasse ich die Abteilungen schließen. Manchmal richte ich es so ein, dass die Swamis an drei aufeinander folgenden Tagen nicht arbeiten dürfen. Dann werden sie sehr unruhig, sie kommen immer wieder in mein Zimmer und bitten mich um Arbeit. Und so machen sie an sich selbst die Erfahrung, dass die Natur im Menschen ein Verlangen nach Arbeit hervorruft. Das ist die positive Seite der Begierde im Leben.
Wenn jemand keine Begierden hat, ist er nicht gezwungen, zu arbeiten, und wenn er nicht arbeitet, wird sein Bewusstsein nicht wachsen. Jemand, der die Gunas(*1) tamas und rajas noch nicht überwunden hat, m u s s arbeiten. Selbst, wenn er sehr reich ist und im Überfluss leben kann, muss er trotzdem arbeiten. Erst wenn du den Zustand von Sattva Guna erreicht hast, den höchsten Punkt von Gleichgewicht und Gleichmut, kannst du ohne Arbeit sein, ohne Karma. Für die Reinigung der Gedanken und des Gemüts ist Karma wesentlich, und wenn du Karma Yoga praktizierst, erreichst du die Reinheit sehr viel schneller.
Vollbringe darum deine Pflicht
gelassen ohne Gier und Hang;
wer handelt ohne Leidenschaft,
erreicht das höchste Ziel o Held.
Bhagavad Gita III:19
Lasst euch tausendmal betrügen, fragt nicht danach und verschwendet keinen Gedanken an das, was ihr tut. Brüstet euch niemals mit den Gaben, die ihr den Armen zukommen lasst, noch erwartet Dankbarkeit von ihnen. Seid vielmehr ihnen dankbar, dass sie euch die Gelegenheit bieten, eure Nächstenliebe betätigen zu dürfen. (Swami Vivekananda in Karma Yoga)
Kampf dem Karma
Swami Satyananda definiert Karma, Samskaras und Urformen. Er erklärt auch wie einige Karmas durch Willenskraft, Karma Yoga und spirituelles Leben geändert oder harmonisiert werden können.
Aufgezeichnet am 2.9.1980 anlässlich des Transmission Seminars, das Swamiji in Chamarande, Frankreich abgehalten hat.
Karma ist die Kette von Handlungen die von einem Menschen in einem Leben erzeugt wird. Oder, in anderen Worten, es ist das Ergebnis all der Aktivitäten im Leben. Es gibt dreierlei Karma. Jene, die wir jetzt verrichten, jene die wir bereits vollzogen haben und solche, die sich in der Form des Schicksals offenbaren. Das Karma, das wir im Augenblick verrichten, kann immer durch unsere Willenskraft geändert werden. Das Karma, das wir bereits verrichtet haben, kann harmonisiert werden, indem wir ein spirituelles Leben führen. Aber das Karma, das in der Form des Schicksals erscheint, kann nicht widerrufen werden; wir müssen es auf uns nehmen.
Ich möchte Ihnen ein sehr einfaches Beispiel geben. Sie haben einen geladenen Revolver in der Tasche. Das ist eine Stufe. Sie halten einen geladenen Revolver in Ihrer Hand und Sie sind bereit zu schießen. Wenn Sie wollen, können Sie den Revolver zurück in Ihre Tasche stecken. Das ist eine andere Stufe. Sie haben den Abzug gedrückt und der Schuss ist abgefeuert worden. Es ist vollbracht. Die Bestimmung, wie der Revolver, ist abgefeuert worden. Sie kann nicht rückgängig gemacht werden. Sie können Ihre Bestimmung nicht ändern, Sie müssen ihr die Stirn bieten.
Wenn Sie ein unwissender oder weltlicher Mensch sind, werden Sie Ihr Schicksal mit Schmerzen erdulden. Sie werden schreien und weinen und Ihr Herz wird brechen. Aber wenn Sie ein Gyani oder ein Mensch des Wissens sind, dann können Sie Ihrem Schicksal mit Heiterkeit entgegentreten. Sie grämen sich nicht und Sie ruinieren Ihre Gesundheit nicht, Sie blicken ihm einfach entgegen. Als Sokrates gefangen genommen und zum Tode verurteilt wurde, war er glücklich. Er akzeptierte sein Schicksal und zerbrach sich seinen Kopf nicht darüber. Ob Sie den Situationen des Lebens wie eine unwissende Person oder wie ein Gyani entgegentreten, auf jeden Fall ist es die Qualität der Seele die verantwortlich ist für das Erlebnis des Schicksals.
Nun kommen wir zu einem anderen Aspekt von Karma. Die Karmas die wir bereits begangen haben, haben sich angesammelt, aber sie sind nicht reif. Sie sind in einem schlafenden Zustand, wie Samen, und sie können durch ein einfaches und diszipliniertes Leben gelindert werden. Deswegen besuchen die Leute die Heiligen, gehen auf Pilgerfahrten und werden in Mantras und in das spirituelle Leben eingeweiht, weil spirituelle Einweihung und spirituelle Aktivitäten das Karma harmonisieren. Das effektvollste Mittel jedoch das Karma zu harmonieren ist durch Karma Yoga.
Karma Yoga bedeutet zu handeln ohne selbstsüchtige Motive. Wenn Sie mit Hingabe und Unbeschwertheit arbeiten können, so ist dies Karma Yoga und wird so die Schlacke des Karmas reinigen. Deswegen besuchten in den früheren Zeiten Haushaltsvorstände die Ashrams. Sie lebten für einige Zeit dort und nahmen an den Aktivitäten im Ashram teil. Sie erhielten weder Geld, noch Belohnungen, Zeugnisse oder Diplome.
In den Ashrams lebten Könige und gewöhnliche Menschen gleich in einer sehr natürlichen und harmonischen Weise. Natürlich war der Lebensstil total unterschiedlich von dem, der zu Hause existierte. Er war extra so entworfen, dass ein Bewerber sein Karma auslöschen konnte. In der gleichen Art und Weise in der Sie einem Prozess der Reinigung unterzogen werden, wenn Sie zuviel wertloses Essen in sich hineingestopft haben und Durchfall bekommen, findet die Reinigung des Karmas und des Geistes statt. Am Anfang kann es eine Menge Leiden und Unannehmlichkeiten bereiten, aber es ist Reinigung. Wenn Ihr Geist von Gedanken überwältigt ist und Sie erfahren zu viele Leidenschaften, Aufregungen und Gemütsbewegungen, müssen Sie begreifen, dass Sie die psychologischen Ebene reinigen. Und in diesem Moment wäre es für Sie sehr gut, wenn Sie sich dem Ashramleben widmen würden.
Nun, die Zeiten haben sich geändert, und es kann nicht jeder in einen Ashram gehen, weil sie nicht in jedem Teil der Welt existieren. Heutzutage, wenn Leute daran denken in einen Ashram zu gehen, dann wollen sie wissen, ob es Räume mit Zentralheizung gibt. Sie glauben, ein Ashram ist wie ein Hotel in dem sie Kriya Yoga lernen können. Deswegen mögen die Ashrams die Sie heutzutage sehen nicht genau in Übereinstimmung mit den traditionellen Typen stehen, aber der Lebensstil bietet dieselben Möglichkeiten der inneren Reinigung.
Jetzt möchte ich Karma auf eine andere Weise erklären. Jede Handlung ist ein Impuls und am Ende des Schwungs fällt ein Same. Zuerst ist der Same in Form einer Erinnerung, dann wird die Erinnerung in Samskara, oder, ich möchte sagen, ein Urbild umgeformt. Wenn die Erinnerungen Urbilder werden können Sie sie nicht erkennen, weil sie in symbolischer Form existieren. Ich möchte dazu ein Beispiel geben.
Ein Mann hat seine geliebte Frau verloren, und nach einiger Zeit wird die Erfahrung des Verlusts ein Urbild. Wenn ein Ereignis erst mal in symbolische Form überführt wurde ist es nicht länger bildhaft sondern geht auf die Schwingungsebene. Drei Jahre nach dem Verlust seiner Frau träumt der Mann von einem Lotus in einem See. Er sieht einen Vogel herabstoßen und den Lotus abrupfen. Der Lotus fällt ins Wasser und verschwindet. Das ist die Offenbarung des Urbilds das mit der Erinnerung an den Tod seiner Frau verknüpft ist.
Literaturempfehlung
Weiterführende Literatur zum Thema finden Sie unter: www.yoga-anandaverlag.de

