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Guru Seva
Swami Gaurishankara Saraswati
Yoga Heft Nr. 17
Ein Guru kann Menschen von der ganzen Welt anziehen. Menschen, die zu Swami Satyananda in die Bihar School of Yoga kommen, mögen verschiedene Hintergründe, Bedürfnisse und Wünsche haben, und doch haben sie alle eines gemeinsam: es ist der Guru, der sie hier herzieht. Swamiji ruft diese Menschen nicht, weil er etwas von ihnen will, sondern er hat ihnen etwas zu geben - eine Lehre, eine Erfahrung, Arbeit, ein Mantra, Hilfe, Erkenntnis, einen Rat oder eine Warnung.
Oft bringen diese Menschen Geschenke unterschiedlichster Art für Swamiji: eine Landschenkung, Kohlen für ein ganzes Jahr, große oder kleine Summen Geld, Früchte, Räucherstäbchen, Süßigkeiten oder eine Blume. Aber das größte Geschenk ist die vollkommene Hingabe und der Wunsch, dem Guru zu dienen.
Dem Guru zu dienen bedeutet, allen persönlichen Ehrgeiz und alle Wünsche nach Erfolg und großen Taten hinter sich zu lassen. Guru Seva, dem Guru dienen - das ist vollkommene Hingabe. Um gute Diener zu sein, müssen wir unser Leben in seine Hände legen, mit der Gewissheit, dass er uns in eine positivere und bessere Richtung führen wird; und das nicht nur für unser eigenes Wohl, sondern zum Wohle der ganzen Welt.
Wir können dem Guru auf verschiedene Weise dienen. Als Jünger kann man sein ganzes Leben hingeben, um die Arbeit, die der Guru begonnen hat, fortzusetzen. Normalerweise lebt der Jünger eine Zeitlang mit dem Guru und macht eine Lehrzeit bei ihm durch. In dieser Zeit lernt er, dem Guru durch Karma Yoga zu dienen. Durch Karma Yoga (selbstlose Arbeit) und Bhakti Yoga (vollkommene Hingabe) in jeder ausgeführten Handlung wird die spirituelle Fortentwicklung rapide sein. Indem der Jünger dem Guru dient, wird sein persönliches Ego kleiner; er kommt dem Guru auf diese Weise immer näher.
Besucher der Bihar School of Yoga sind oft erstaunt, wie hart die Sannyasins arbeiten. Es ist die Freude im Herzen, ihrem Guru dienen zu dürfen, was sie fähig macht, den ganzen Tag hart zu arbeiten und gleichzeitig fröhlich und gesund zu sein. Sie arbeiten mit Hingabe und all ihre Energien sind statt auf persönliche Belange auf den Guru und Yoga gerichtet. Das entscheidende Training eines Jüngers besteht aus diesem Dienen.
Da der Guru physisch nicht überall gleichzeitig anwesend sein kann, gibt er seinem Jünger ein entsprechendes Training, das ihn befähigt, die Botschaft des Gurus hinauszutragen. Jeder, der den Guru akzeptiert, wird von ihm ohne irgendeine bestimmte Qualifikation angenommen. Er nimmt sie alle mit ihren positiven und negativen Eigenschaften, glättet ihre harten Kanten wie ein Bildhauer, so dass aus jedem ein wundervolles Kunststück erwächst.
Manchmal geht die Verwandlung so sanft vor sich, dass der Jünger es nicht einmal merkt. Obwohl die Schüler oft an den Lippen des Gurus hängen, um seine Worte aufzunehmen, ist doch die intensivere Lernmöglichkeit das Erkennen und die intuitive Wachsamkeit. So braucht man auch nicht ständig an der Seite des Gurus zu leben, um seine Liebe und sein Training zu erhalten. Der Jünger wird so oft mit schwierigen Situationen konfrontiert, bis wir mit ihnen umgehen können. Das wichtigste seiner Lehre ist folgendes: Du kannst alles erreichen, vorausgesetzt, du hast Vertrauen und eine positive Einstellung.
Man muss nicht Sannyasin sein, um seinem Guru zu dienen. Auch wenn du eine Familie hast, ist das möglich. Wichtig allein ist das Vertrauen in den Guru, um ihm zu dienen. Der Guru braucht diese Hilfe nicht; indem er jedoch den Dienst seiner Anhänger annimmt, hilft er ihnen. Dieses Dienen ist Karma Yoga, und das Vertrauen und die Hingabe ist Bhakti Yoga. Die Kombination dieser beiden Yogawege ist der schnellste Weg zur spirituellen Wahrnehmung und Entwicklung.
Wenn du dem Guru nicht als Jünger dienen kannst, dann gibt es viele andere Möglichkeiten. Du kannst dich in deinem Beruf vervollkommnen und eine positive Einstellung annehmen, ohne nach Dank und Anerkennung zu fragen. Arbeit ist ein wichtiger Teil im Sadhana. In welcher Position du auch bist, du solltest wissen, dass es einen Sinn hat, dass du dort bist. Und wenn du genau hinschaust, wirst du erkennen, dass du durch diese Arbeit deinem Guru dienen kannst.
Viele Menschen entdecken, dass ihre Arbeit sie mit Menschen zusammenbringt, die ein großes Bedürfnis nach Yoga haben, so dass sie sie zu einem Yogalehrer schicken oder sie in eine bestimmte Yogaübung einführen können. Viele haben eine Ausbildung begonnen, um selber Yoga zu unterrichten, andere stellen Räume für Yogaunterricht zur Verfügung oder organisieren Seminare und Vorträge, spenden Geld oder nützliche Dinge für den Ashram oder stellen Druckmöglichkeiten zur Verfügung - das alles als Dienst für den Guru.
Wer etwas Zeit zur Verfügung hat, sollte zu einem der vielen Satyananda-Ashrams kommen, um dem Guru in direkter Weise durch Karma Yoga zu dienen. Durch das Schreiben oder Übersetzen eines Artikels im Yogaheft hilfst du, die Botschaft des Gurus in die Welt zu tragen.
Die glücklichsten Menschen der Welt sind die, die sich dem Meisterplan des Schicksals beugen, die wissen, dass Erfahrungen der Sinn unseres Daseins hier auf der Erden-Schule sind; Glücklichsein fällt nur dabei ab, es ist niemals das Ziel allein. Nach Glück zu suchen ist vergleichbar mit einem Kind, das einen tanzenden Sonnenstrahl fangen will: Es schließt seine Hände begierig um das lieblich scheinende Etwas, aber wenn es seine Hände öffnet, ist nichts mehr darinnen. Fangen wir dagegen mit der Arbeit an und geben alles hin, was wir können, dann schleicht sich die Sonnenwärme sanft in unser Herz - und siehe da! du bist glücklich.
Alle, die an den Guru denken, sind durch seine beschützende Führung und Inspiration gesegnet. Denke in Momenten der Freude, der Trauer, der Krankheit oder der Verwirrung an ihn, und schon ist er da. Denke an den Guru, und er denkt an dich!
Literaturempfehlung
Weiterführende Literatur zum Thema finden Sie unter: www.yoga-anandaverlag.de

