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Guru ist einmalig
(Swami Satyananda Saraswati antwortet auf Fragen, die viele Schüler bezüglich anderer Gurus und Lehrer haben. Aufgezeichnet in Australien am 13.11.1980)
Yoga Heft Nr. 17
Viele Schüler interessieren sich für die Schriften von Heiligen und Lehrern, was aber Yoga betrifft, so ist hier das spirituelle Bewußtsein entscheidend, wie man Energie zum Fließen bringt. Wir werden oft von großen Meistern inspiriert, und das ist gut so; es gibt jedoch nur einen Guru. Du kannst zu vielen Quellen gehen und spirituelle Energie tanken, solltest dich aber nicht von solchen Lehrern täuschen lassen, die deine niederen Bewusstseinsebenen ansprechen. Wenn dir ein Meister erlaubt, so zu leben, wie du willst, dann wirst du ihn natürlich mögen; du wirst auf ihn hören - nicht weil er die Wahrheit sagt, sondern weil es für dich bequem und angenehm ist.
Lasse dich nicht von oberflächlichen Philosophien leiten, sondern erforsche die Tiefe einer Lehre. In bestimmten Systemen wird dir gesagt, dass du nicht gegen deinen Geist, dein Gemüt kämpfen sollst, was jedoch nicht gleichbedeutend mit Undiszipliniertheit ist. Wenn Gedanken während der Meditation oder Japa durch den Kopf wirbeln, dann solltest du nicht dagegen ankämpfen. Wenn du jedoch im Alltagsleben deinen oft wirren Gedanken jederzeit freien Lauf lässt, dann wirst du dein Auto sicher eines Tages in den Graben fahren; es wird zu Katastrophen führen.
Überall auf der Welt, im Westen sowie im Osten, muss das Leben diszipliniert sein. Egal ob du in einer Fabrik, im Krankenhaus oder in der Telefonzentrale arbeitest, immer solltest du totale Kontrolle über die mentalen Impulse haben. Wenn du deinen Gedanken erlaubst herumzuwandern, während du in der Telefonzentrale arbeitest, dann führt das zu einer Katastrophe.
Nur zu Zeiten der Introspektion solltest du deinen flatterhaften Gedanken der Gier, der Leidenschaft, der Gewalt und der Aggression erlauben, sich zu zeigen; dann, wenn du mit dir allein bist. Das heißt nicht, dass du die Gedanken ausführst, das wäre die totale Anarchie. Viele Leute interpretieren allerdings die Lehren auf diese Weise und führen so ein sehr undiszipliniertes Leben.
Viele große Meister der Vergangenheit - Buddha, Christus, Krishna, Mohammed, Zoroaster, Ramakrishna Paramahansa, Vivekananda u.a. - haben ihre Fußspuren im Sand der Zeit hinterlassen. Wir sollten großen Respekt vor ihnen haben und sie verehren, weil sie die Göttlichkeit in menschlicher Form repräsentieren. Ihre Lehren und Taten inspirieren uns noch heute.
All diese großen Menschen, die Gott in sich erfahren haben, haben immer nur die eine einzige Wahrheit gelehrt; es gibt keinen Unterschied zwischen ihren Lehren. Ob du die Gita liest, Ramayana, die Bibel oder den Koran, du wirst immer dasselbe finden. Die Professoren, die Psychologen und Intellektuellen jedoch, die die Göttlichkeit in sich nicht erfahren haben, haben sich von den ursprünglichen Lehren allmählich immer weiter entfernt. Heute sagen sie dieses und morgen etwas vollkommen anderes; da gibt es keine Einheit, keine Kontinuität, keine Beständigkeit in ihrer Aussage.
Kontinuität ist ein bedeutender Aspekt im spirituellen Leben. Obwohl du Respekt für die verschiedenen Meister und spirituellen Wege haben solltest, solltest du in deinem persönlichen Sadhana einer einzigen Lehre folgen und einen Guru haben. Das ist deshalb so wichtig, damit dein zerstreutes und mit Wünschen angefülltes Bewußtsein keinen Ausweg findet, der Übung zu entfliehen. Wenn du einmal einen Guru hast, dann folge ihm. Wenn er dir sagt, du sollst Japa Yoga praktizieren, dann behalte die Übung bei und ändere sie nicht. Das ist der einzige Weg im spirituellen Leben, um weiter zu kommen.
Ich möchte ein einfaches Beispiel geben: Wenn ein Mädchen heiratet, hat sie eine besondere Beziehung zu ihrem Ehemann, die sie mit keinem anderem Mann hat, und das ist gut so. Das bedeutet aber nicht, dass sie nun nicht mehr mit anderen Männern redet. So wie sie eine besondere Beziehung mit ihrem Mann hat und eine normale Beziehung zu anderen, so sollte der Jünger eine besondere Beziehung zu seinem Guru haben und eine normale zu anderen. Wir sollten alle Heiligen respektieren, ob sie nun Hindus sind, Christen oder Moslems; wir sollten niemanden kritisieren. Aber niemals sollten wir das Vertrauen zum Guru verlieren, nur weil ein anderer attraktiver erscheint.
Im Laufe der Geschichte hat es unendlich viele Menschen in der Welt gegeben, die unseren Respekt und unser Vertrauen verdienen; Heilige, die auf diesem Planeten geboren wurden, um menschliche Wesen auf ihrem spirituellen Pfad zu leiten. Nur deshalb können wir trotz der heutigen spirituellen Armut überleben.
Literaturempfehlung
Weiterführende Literatur zum Thema finden Sie unter: www.yoga-anandaverlag.de

