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Satsang zum Thema Ashram-Leben mit Swami Satyananda Saraswati

(aus verschiedenen Yogaheften)

Welche Idee liegt dem Ashramleben zugrunde?

Swamiji: Das Grundkonzept des Ashrams bewegt sich um die Idee der harten Arbeit. Das Wort Ashram entspringt aus der Wurzel `shram' und bedeutet Arbeit. Zwei Arten der Arbeit finden im Ashram ununterbrochen statt. Die spirituelle Anstrengung, die wir für die Evolution des eigenen Selbst machen, ist harte Arbeit. Gleichzeitig ist die körperliche Arbeit, mit der wir zum Ashramleben beitragen, ebenfalls unserer Evolution dienlich.
In früheren Zeiten lebten selbst Könige und Herrscher genau wie jeder gewöhnliche Mensch im Ashram. Ein solcher Platz zeichnet sich immer durch äußerste Einfachheit aus, und hier kann jeder, ob reich oder arm, seine Antworten finden. Indem man sich an den Ashram-Aktivitäten beteiligt, kann jeder, gleich mit welchem Hintergrund er kommt, ein neues Leben und neue Freude finden.
Wenn man einige Zeit im Ashram lebt, hat man die Möglichkeit, sich selbst zu sehen und ein größeres Vertrauen in sich zu gewinnen. Viele Probleme wie Komplexe, Hemmungen und mangelndes Selbstvertrauen lösen sich nach kurzer Zeit auf.
Die Schönheit des Ashramlebens liegt darin, dass sich jeder enthusiastisch in die Aktivitäten hineinbegibt und ver­sucht, sich daran zu erfreuen. Arbeit wirkt dann ansteckend und man macht sie freiwillig. Natürlich, der Guru oder der Acharya ist da, aber er ist nicht Leiter der Tätigkeiten, sondern die Quelle der Inspiration und nichts weiter. Auf diese Weise läuft das Ashramleben in wunderschöner und geordneter Weise.

Warum ist ein Ashram so einfach?

Ich habe viele supermoderne Ashrams gesehen, aber ich glaube nicht an sie. Obwohl ich bestimmt die Möglichkeit hatte, einen modernen Ashram zu begründen, habe ich es nicht getan. Wenn jemand in den Ashram kommt, möchte er sich verändern. Wenn man aus der modernen, technologischen Gesellschaft herausgeht, um ein einfaches Leben zu führen, durchlaufen Körper und Bewusstsein eine große Metamorphose.
In Australien haben wir einen sehr großen Ashram, etwa 60 Meilen von Sydney entfernt. Es gibt keine geteerten Straßen und in den Wäldern hausen Pythonschlangen. Jahrelang gab es keine Elektrizität und obwohl wir wunderschöne Häuser dort hätten bauen können, haben wir uns für kleine Steinhütten entschlossen. Bequeme Wohneinheiten, Elektrizität, heißes Wasser und Luxustoiletten sind nicht notwendig.
Vielleicht leben wir das Leben rückwärts, aber es kann ja auch sein, dass die moderne Kultur rückwärts lebt. Moderne Annehmlichkeiten machen dich abhängig und faul, man braucht nicht einmal mehr zu denken. Das Bad benutzt du gedankenlos, du brauchst keinerlei Anstrengung zu machen. Ihr lebt wie die Roboter. Im Ashram kann man nicht wie ein Roboter leben, dort muss man denken. Wenn du von Luxus umgeben bist, arbeitet dein Gehirn sehr langsam, während ein einfaches Leben ein sehr aktives Gehirn erfordert. Bedenke, dass in deinem Gehirn nur eine große Metamorphose stattfindet, wenn du dich einem wirk­lichen Wechsel stellst.
Ich glaube auch, dass Einzelzimmer uns keine Gelegenheit geben, zu erkennen, wo wir uns im Zusammenleben mit anderen befinden. Wenn eine Gruppe zusammenlebt, lernt man die Natur der menschlichen Psychologie besser verstehen. Man kann dann das eigene Bewusstsein, die eigenen Grenzen und Fehler besser einschätzen, was durch die Isolation in der modernen Kultur nicht möglich ist.

Literaturempfehlung

Weiterführende Literatur zum Thema finden Sie unter: www.yoga-anandaverlag.de