Swami Satyasangananda spricht über die letzten Stunden ihres Gurus

Sri Swamiji hat nur seinen Körper abgelegt, doch er lebt weiter mitten unter uns, er inspiriert und erhebt uns, um spirituelle Glückseligkeit und Ekstase zu erfahren. Er hat selbst diesen Abschied von der weltlichen Ebene in eine spirituelle Erfahrung verwandelt. Ich hatte mir nie vorgestellt oder je davon gehört, dass aus dem Tod Ekstase entstehen kann. Tod ist für uns alle die meist gefürchtete Realität. Niemand möchte sterben. Wir alle haben Angst vor dem Tod und vermeiden sogar, daran zu denken oder darüber zu sprechen. Obwohl der Tod das einzig Gewisse im Leben ist, wenden wir uns von ihm ab, als wäre er ein Ungeheuer, dem wir niemals begegnen wollen.

Es spielt keine Rolle, ob du reich oder arm bist, mächtig, gelehrt, weise oder sogar ein Entsagender oder ein vollendeter Sannyasin, der Gedanke an den Tod lässt dich vor Angst und Schrecken erzittern. Sogar große Persönlichkeiten müssen ihre Häupter in Ergebenheit vor dem Tod beugen. Es ist einfach niemand davon ausgenommen.

Das ist alles, was ich über den Tod wusste. Bis ich dann mit eigenen Augen Sri Swami Satyanandas Samadhi erleben durfte. Er hat seinen Tod zu sich gebeten. Wer es noch nicht weiß: mein Guru hatte den Segen von Iccha Mrityu, das bedeutet, er konnte sich aus freiem Willen für den Tod entscheiden. Darüber hinaus besaß er das Wissen über Kaya Kalpa, er wusste alles über die Möglichkeit der totalen Verjüngung und Metamorphose des Körpers. Mit anderen Worten - er musste nicht sterben, er hat den Tod selbst gewählt. Er hätte weitere zwanzig Jahre in demselben Körper weiterleben können. Wir alle kennen Swami Satyananda gut, er wählte die weniger bequeme Möglichkeit, denn nie entschied er sich für etwas ohne einen Auftrag oder eine göttliche Absicht.

Wenn ihr euch noch einmal erinnert: Sri Swami Satyananda kam nach Rikhia, um seinen Körper zu verlassen. Dieser Bestimmungsort, der Platz der Feuerbestattung von Sati, wurde für ihn ausgewählt, um seinen Körper zu verlassen. Er kam mit einem Auftrag hierher. Es ging nicht darum, einen Ashram zu gründen, Schüler um sich zu versammeln oder berühmt zu werden. Der Auftrag lautete, mit jedem Atemzug und bis zu seinem letzten Atemzug, Gott zu verehren. Viele Male hat er uns gesagt, „Ich bin nach Deoghar gekommen, um meinen Körper zu verlassen. Ich habe mehrere Anträge gestellt, aber alle wurden abgewiesen, denn ich wollte eine Rückfahrkarte, aber es waren keine verfügbar. An dem Tag, an dem ich meine Rückfahrkarte bekomme, werde ich sofort aufbrechen. Haltet nicht an meinem physischen Körper fest, seht mich in eurem Innern.“

Es sieht ganz so aus, als sei seine Bitte nach einer Rückfahrkarte erfüllt worden. Am 5. Dezember rief er mich um 22 Uhr in seinen Raum in Tulsi Kutir und sagte zu mir, „Meine Zeit zu gehen ist gekommen, ich verlasse die weltliche Ebene. Was immer ich in meinem Leben gemacht habe, war auf ein Ziel gerichtet und hatte einen Sinn. Auch mein Tod hat einen tieferen Sinn.“

Er saß als Yogi in Padmasana und meditierte. Was ich nun sah und erlebte, kann sich niemand vorstellen. Vielleicht ist es nur in den Schriften erwähnt, mit Sicherheit kennen wir niemanden, der auf solch eine erhabene und würdevolle Weise das irdische Dasein verlassen hat, absolut im Einklang mit der Größe seines Lebens. Er atmete einfach ein und mit einer tiefen Ausatmung entzog er seinem Körper seine Pranas. Er hatte zu mir gesagt „eine Sekunde, bevor ich diesen Körper verlasse, werde ich das Wissen von allen Vidyas dieses Universums empfangen und dies wird die Erfüllung meines Lebens sein.“ Wir sollten also glücklich und stolz sein, denn unser geliebter Gurudev hat sein Ziel erreicht, er hat das empfangen, wofür er sein ganzes Leben hingegeben hat.

Es war um Mitternacht während Ajeya muhurta, als  er seinen großen Abschied nahm und das Universum war bereit, ihn aufzunehmen. Allein die Auswahl dieses Moments zeugt von seinem tiefen Wissen über die kosmische Schöpfung, denn genau in diesem Augenblick öffnete sich das Netz, die Matrix des Universums, um einen Durchgang zu schaffen, durch den sein Kausalkörper ungehindert zu allen Lokas gelangen konnte. Mit anderen Worten, er hatte einen perfekten Flug!

Sri Swamiji selbst hatte während seines Satsangs in Rikhiapeeth, der im Mai 2000 in der Zeitschrift Yoga Vidya veröffentlicht wurde, gesagt: „Wenn ich meinen Körper verlasse, dann werde ich nicht mit dem öffentlichen Bus davonfahren. Ich werde in einem Erste-Klasse-Jet fliegen, direkt nach oben. Ohne jeden Zwischenstopp, ein Direktflug zu dem Ort, den ich erreichen muss. Brihaspati Loka, dann Shukra Loka und Yamaloka, weiter nach Bhairava Loka und jenseits davon, mühelos werde ich hindurch kommen, ohne Zwischenstopp, direkt zu meinem Bestimmungsort und ich habe sogar ein Rückflugticket. Dies sage ich euch, weil ich hierher zurückkommen werde. Ich will kein Königreich, keine Vergnügen und keine Annehmlichkeiten. Ich will noch nicht einmal die Befreiung von Geburt und Tod. Das einzige was ich möchte, ist immer wieder zurückzukommen, um denen zu helfen, die leiden.“

Ich war anwesend. Ich kann nicht sagen, welches gute Karma ich vollbracht habe, um so etwas zu verdienen. Es war eine spirituelle Erfahrung, die mich in meditative Zustände versetzte, die man normalerweise nur nach unermüdlichen Anstrengungen erfährt. Dieser vollkommene Einblick, diese Erkenntnis, das Verständnis und diese Erfahrung, die er mir wie auf einem Tablett servierte, beschreiben die Zustände von Swapna (Traumzustand) und Sushupti (Tiefschlaf). Ich war der Drashta, schaute diesem Ereignis zu, das in die Geschichte eingehen wird.

Die Auflösung und Verschmelzung von allem im Höchsten Bewusstsein ist ein Zustand, den niemand beschreiben kann. Er kann nur erfahren werden. Es ist ein Gefühl großer Glückseligkeit, unendlicher Erfülltheit mit Freude, Wissen und Liebe. Es ist so, als wenn dich eine große Kraft aus dem Körper heraus und auf eine andere Ebene katapultiert, um die reine Freude am Sein zu bezeugen und zu erfahren. Das hat mich zutiefst überwältigt. Stellt euch nur vor, anstatt mich traumatisiert im Angesicht des meist gefürchteten Vorgangs des Todes zu verlieren, wurde ich mit Ekstase, Glückseligkeit und vollkommenem Einssein mit meinem Guru beschenkt. Das war absolut unbeschreiblich und überwältigend!

Mit anderen Worten, Sri Swami Satyananda ist allgegenwärtig geworden. Er hat das ganze Universum bis hin zur atomaren Ebene der Elemente durchdrungen. Wenn du nun in Verbindung mit ihm treten möchtest, musst du nichts weiter tun, als dich seiner zu erinnern, so wie du ihn kennst, mit seinem bezaubernden Lächeln, seinen funkelnden Augen, seinem sprühenden Geist und seinem Humor, seiner Weisheit und seinem Mitgefühl und seiner Anmut.

Also hat unser geliebter Guru uns nicht nur alles über das richtige Leben gelehrt, sondern auch über die Art zu Sterben und die große Wahrheit, dass wir den Tod nicht fürchten müssen, denn er kann Glück und Freude bringen, wenn du dein Leben auf die richtige Weise lebst, so wie er es getan hat. Nun ist es Zeit für jeden von uns, ein Sankalpa zu setzen, um selbst den Pfad zu beschreiten, den er uns gezeigt hat und seiner Lehre zu folgen, damit auch wir zum Zeitpunkt des Todes diese Welt als einen besseren Ort verlassen können. Das wäre wirklich eine angemessene Ehrerbietung für Swami Satyananda.